Soziale Absicherung für Musikerinnen und Musiker in Deutschland

Im Rahmen der Reihe „Wir.Sind.Kultur“ fand am 10.02.2021 der 3. Workshop des Landesmusikrates Berlin (LMR) statt. Insbesondere in dieser Sitzung zeigte sich die Ansprüche/die Ziele des LMR mehr als deutlich „Künstler durch die Krise zu bringen“, „Die Kulturszene nach dem Lockdown wieder aufzubauen“ und „Berliner Kultur mit einem Kulturfördergesetz nachhaltig abzusichern“.


Wieder war das Podium, mit Vertretern von verdi/dem Deutschen Kulturrat/FREO/Bundesallianz der freien Künste/Deutschen Jazzunion/Musicboard und von der Partei Die Linke, signifikant besetzt.
In ihren Statements zeigte sich sehr schnell eine einheitliche Befürwortung der KSK (Künstlersozialkasse) als gute Absicherung und einmaliges Modell. Allen war jedoch auch bewusst, dass die Beitrittskriterien nicht auf jeden Solo- Selbstständigen zutreffen und die nicht integrierte Arbeitslosenversicherung (Wann ist eigentlich ein Solo-Selbstständiger Arbeitslos ?) ein Handikap für die soziale Absicherung darstellen. Demzufolge sollte zukünftig sowohl die Überarbeitung des Grundrentenmodels angedacht, als auch über die Problematik der Geringfügigkeitsgrenze nachgedacht werden. Einigkeit erzielte man auch sehr schnell darüber, dass die bisherigen Modelle der sozialen Absicherung lediglich den Normalfall einer Arbeitnehmertätigkeit abbilden, aber nicht auf die äußerst unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnisse von Solo-Selbstständigen zugeschnitten sind. Somit zwingt man Künstler*Innen in ein System, das einfach nicht für sie konstruiert ist. Wir benötigen individuelle und keine universalen Lösungen. Die soziale Absicherung muss existenzsichernd sein.

Als Kernproblem betrachteten die Teilnehmer der Diskussionsrunde die geringen Verdienste der Künstler*Innen. Keine Einzahlung für die KSK, keine Beiträge für die Arbeitslosenversicherung und geringe Renten sind unter anderem das Ergebnis der schlechten Absicherung für die Mehrzahl der Solo-Selbstständigen. Grundeinkommen und Grundrenten, sowie Honorarempfehlungen statt Mindesthonorare können mögliche Auswege aus der Misere sein. Das Bewusstsein für Kultur und Kunst muss sich verändern (Musik nicht nur für die Ehre) und der Aufmerksamkeitsgrad erhöhen. Es sollte allen Entscheidungsträgern der Öffentlichkeit bewusst sein, das kulturpolitische Themen auch sozialpolitische Themen sind und letztendlich Kultur einen gesellschaftlichen Wert hat, der zu stärken ist.

PS: Jede Sitzung hat zwischen 100 und 200 Teilnehmer. Diese kommen zu wenig zu Wort und dem Moderator fehlt leider sowohl die Fähigkeit den Chat zu beobachten als auch Empathie im Umgang mit Referenten*Innen und Teilnehmer*Innen.

Über Detlef Meyer zu Heringdorf

Twitter: @DetlefZu, Autor: "Das Charlottenburger Opernhaus von 1912 bis 1961" Deutsche Oper Bln, 1988 ISBN: 3926412070
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