{"id":103,"date":"2012-07-14T15:10:50","date_gmt":"2012-07-14T13:10:50","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/?p=103"},"modified":"2013-07-16T14:20:24","modified_gmt":"2013-07-16T12:20:24","slug":"guggenheim-lab-kulturinfarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/politik\/guggenheim-lab-kulturinfarkt\/","title":{"rendered":"BMW Guggenheim Lab &#8211; Anzeichen f\u00fcr einen \u201eKulturinfarkt\u201c?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Das Erschlaffen einer sozialdemokratisch gef\u00fchrten Stadtregierung nach der Wahl im September 2011 wird am ehesten deutlich an einer zwar Anspr\u00fcche erhebenden, aber weitestgehend konzeptionslosen Kultur- und Bildungspolitik in Anlehnung an Wirtschaft und Gro\u00dfkapital. Anzeichen daf\u00fcr ist die fehlgeschlagene Installation des <em>BMW Guggenheim <\/em><em>Lab<\/em> in Kreuzberg. Eine solche Konzeptionslosigkeit trifft seit l\u00e4ngerem auch auf Steglitz-Zehlendorf zu,<!--more--> dessen einst bedeutende kulturelle Attraktion seit den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts trotz Bem\u00fchungen einzelner (wie Boleslaw Barlog oder zuletzt auch Dieter Hallervorden mit dem Schlossparktheater) zunehmend verblasste und das vor allem eine Schwerpunkt setzende Eigenst\u00e4ndigkeit nicht mehr enwickeln konnte, wie sie vor dem Mauerbau noch vorhanden war.<\/p>\n<p>Statt einer stadtweit an Wirtschaft und Industrie angebundenen Kulturplanung sollten lokale Kulturprojekte entwickelt und gef\u00f6rdert werden, die wiederum enger mit Schulen und Bildungsanstalten verkn\u00fcpft w\u00fcrden und die auch Querverbindungen mit anderen Bezirken, etwa mit Kreuzberg-Friedrichshain und dem Ballhaus Naunynstra\u00dfe entwickelten. Dadurch w\u00fcrden nicht nur eigene Kr\u00e4fte entfaltet, vielf\u00e4ltige Akzente neu gesetzt, alte Wurzeln wiederbelebt. Letztere verk\u00fcmmerten nicht nur im zum Mode-Schaufenster und zur Kino-Galerie degradierten Titania-Palast, in dem noch der franz\u00f6sische Pantomime Marcel Marceau seinen Ruhm begr\u00fcndete und Louis Armstrong, Josephine Baker, Maurice Chevalier internationales Flair verbreiteten. 1952 fand hier sogar die deutsche Erstauff\u00fchrung statt von Gershwins Oper <em>Porgy and Bess.<\/em><\/p>\n<p>Andere Orte fr\u00fcherer kultureller Bedeutsamkeit wie Kafkas Wohnung in der Grunewaldstra\u00dfe, dessen Roman <em>Das Schloss <\/em>in der Dramatisierung von Max Brod im Schlosspark-Theater auf die B\u00fchne gebracht wurde, wof\u00fcr das Ensemble 1953 den Deutschen Kritikerpreis erhielt,<em> <\/em>aber auch das Dada-Quartier mit dem Verlag Gr\u00fcne Leiche in der Zimmermannstra\u00dfe 34 werden heute kaum \u00f6ffentlich wahrgenommen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Dass sich jetzt eine Bedrohung der Berliner Kultur insgesamt scheinbar aus purem Geldmangel, in Wirklichkeit aber aus politischer Einfallslosigkeit ank\u00fcndigt, mag angesichts der vielf\u00e4ltigen Kunst- und Musikszene zun\u00e4chst nicht \u00fcberzeugen, l\u00e4sst sich aber an verschiedenen Symptomen ablesen:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Umschichtung der Finanzen auf Kinderg\u00e4rten, Horte, Jugendtheater (wie <em>Grips<\/em>), Schulen findet kaum statt. Stattdessen die Planung noch einer Bibliothek auf dem Fluggel\u00e4nde Tempelhof, noch eines Museums im Berliner Stadtschloss. Der Vorwurf eines \u201eKulturinfarkts\u201c, wie er j\u00fcngst erhoben wurde, scheint deshalb nicht unberechtigt.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Eine inhaltliche Bildungsreform im Sinne einer st\u00e4ndigen Curriculum-Revision ist seit den 70er Jahren nicht zu erkennen. Stattdessen umfangreiche, teuere und in ihrem Nutzen fragw\u00fcrdige Pisa-Messungen. Gespart wird an besserer Ausbildung und angemessener Verg\u00fctung der P\u00e4dagogen sowie an der Herrichtung verrotteter Schuleinrichtungen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p lang=\"de-DE\">Statt besserer p\u00e4dagogischer Ausbildung vor allem im Kita-Bereich und entsprechend besserer Bezahlung f\u00fcr besser Ausgebildete sollen neuerdings Arbeitslose im Schnellverfahren zu Ersatzp\u00e4dagogen transformiert werden.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p lang=\"de-DE\">Die Entwicklung einer Gemeinschaftsschule in Kooperation sowohl mit der Industrie als auch mit den Universit\u00e4ten w\u00e4re schon im Hinblick auf die zuk\u00fcnftige Lage am Arbeitsmarkt dringend erforderlich.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Gefahr einer Verflachung unserer weltweit ger\u00fchmten Berliner Kultur durch den internationalen Einfluss der Wirtschafts- und Finanzm\u00e4chte ist nicht von der Hand zu weisen, auch wenn das in andern europ\u00e4ischen St\u00e4dten und Staaten zun\u00e4chst noch bedrohlicher aussieht. Die von der <em>New York Times<\/em> bereits jetzt vorausgesehenen \u201cAusterity Cuts in Culture [which] Touch the Core of Europeans\u201c werden auch in Berlin schmerzhaft sp\u00fcrbar werden, wenn nicht gleichzeitig ein lokaler Ausbau von in die Zukunft weisenden jugendlichen Kommunikationszentren vorangetrieben wird, in denen Kultur nicht blo\u00df konsumiert, sondern auch kooperativ produziert wird.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Erschlaffen einer sozialdemokratisch gef\u00fchrten Stadtregierung nach der Wahl im September 2011 wird am ehesten deutlich an einer zwar Anspr\u00fcche erhebenden, aber weitestgehend konzeptionslosen Kultur- und Bildungspolitik in Anlehnung an Wirtschaft und Gro\u00dfkapital. 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