{"id":2806,"date":"2013-08-08T01:41:56","date_gmt":"2013-08-07T23:41:56","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/?p=2806"},"modified":"2014-12-04T15:42:31","modified_gmt":"2014-12-04T14:42:31","slug":"erste-kulturelle-spuren-die-anfange-von-steglitz-zehlendorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/aktuelles\/erste-kulturelle-spuren-die-anfange-von-steglitz-zehlendorf\/","title":{"rendered":"Erste kulturelle Spuren: Die Anf\u00e4nge von Steglitz-Zehlendorf"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/5\/52\/-3000_Amphore_Kugelamphorenkultur_anagoria.JPG\/580px--3000_Amphore_Kugelamphorenkultur_anagoria.JPG\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"311\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Kugelamphore<\/p><\/div>\n<p>Die ersten Belege menschlicher Anwesenheit im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf stammen bereits aus der Steinzeit, genauer\u00a0 gesagt der ausgehenden Altsteinzeit, also der Zeit vor etwa 8000 bis 10000 Jahren. Zu dieser Zeit zogen die Menschen noch als nomadische Rentierj\u00e4ger umher und begannen erst langsam sesshaft zu werden. Ihr Hauptwerkzeug war das Steinbeil. Einige solcher Beile wurden am Steglitzer Fichtenberg gefunden. Doch auch in der Jungsteinzeit, als die ersten Bauern anfingen Viehzucht und Feldwirtschaft zu betreiben, gibt es im Bezirk kaum Belege f\u00fcr eine dauerhafte Ansiedlung. Einzige Ausnahme bilden einige Gef\u00e4\u00dfe der so genannten Kugelamphorenkultur, die<!--more--> 1926 beim Kiesabbau an der Goerzallee entdeckt wurden. Leider sind die genauen Fundumst\u00e4nde nicht \u00fcberliefert, so dass man nicht mit Sicherheit sagen kann, ob es sich um Grabbeigaben oder einen Siedlungsfund handelt.<\/p>\n<div style=\"width: 399px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/7\/7d\/Pfaueninsel_Karte_1810.jpg\/800px-Pfaueninsel_Karte_1810.jpg\" alt=\"\" width=\"389\" height=\"224\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Pfaueninsel, Karte von 1810<\/p><\/div>\n<p>Deutlichere Spuren gibt es dann erst aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus. Bereits 1837 stie\u00dfen Arbeiter bei der Terrassierung einer kleinen Anh\u00f6he auf der Pfaueninsel im Ortsteil Wannsee\u00a0 auf die verfaulten Reste eines Holzk\u00e4stchens, in dem eine Reihe von Ringen und Spiralb\u00e4ndern aus massiver Bronze lagen. Der Fund wird der Fr\u00fchbronzezeit zugeordnet. Das Deponieren von Gegenst\u00e4nden aus Bronze ist typisch f\u00fcr die gesamte Epoche der Bronzezeit. Bis heute umstritten ist jedoch die Deutung dieser Sitte. So kann es sich um vergrabene Sch\u00e4tze handeln, es ist aber auch m\u00f6glich, dass die Bronzehorte als Opfergaben f\u00fcr die damaligen Gottheiten dienten.<\/p>\n<div style=\"width: 369px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/de\/2\/21\/Hist_Brunnen_innen.jpg\" alt=\"\" width=\"359\" height=\"239\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Mittelalterlicher Brunnen, Museumsdorf D\u00fcppel<\/p><\/div>\n<p>An der Goerzallee kamen Ende der sechziger Jahre schlie\u00dflich die Spuren eines ganzen Dorfes zutage. Es handelt\u00a0 sich damit um die erste sicher nachweisbare, dauerhafte Ansiedlung auf dem Gebiet des heutigen Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Neben zahlreichen Hausgrundrissen konnten auch die Reste eines Brunnens freigelegt werden, der durch seine teilweise erhaltene Holzeinfassung nicht nur eine genaue Datierung der Siedlung in die Zeit um 1000 vor Christus m\u00f6glich machte, sondern auch \u00fcber 100 Tongef\u00e4\u00dfe enthielt, in denen Reste von Honig, Gew\u00fcrzen und Getreide nachgewiesen wurden. Die Wissenschaftler deuten den Befund auch hier als Ausdruck religi\u00f6sen Lebens: Durch die in den Brunnenschacht geworfenen Opfergaben versuchten die damaligen Menschen ihre G\u00f6tter gn\u00e4dig zu stimmen.<\/p>\n<p>Eine weitere sp\u00e4tbronzezeitliche Ansiedlung wurde 1997 bei Ausgrabungen an der Wismarer Stra\u00dfe entdeckt. Dort fanden die Arch\u00e4ologen auch einen Friedhof der vorr\u00f6mischen Eisenzeit mit \u00fcber 200 Urnenbestattungen. Dies belegt, dass auf dem Gebiet des Bezirks auch in der Zeit um 500 vor Christus Menschen gesiedelt haben.<\/p>\n<div style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/07\/Museumsdorf_D%C3%BCppel4JPG.JPG\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"262\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Rekonstruiertes mittelalterliches Bauernhaus, Museumdorf D\u00fcppel<\/p><\/div>\n<p>Aus der Zeit des Mittelalters, weit \u00fcber 1000 Jahre sp\u00e4ter, liegen dann erstmals auch schriftliche \u00dcberlieferungen vor. Das erste schriftlich erw\u00e4hnte Dorf auf dem Gebiet des heutigen Berlin ist Lankwitz. In einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1239 geben die gemeinsam regierenden Markgrafen Johann I. und Otto III.\u00a0 das Dorf an das neu gegr\u00fcndete Benediktiner Nonnenkloster \u201eSt. Marien\u201c in Spandau. Eine weitere Urkunde belegt kurz darauf im Jahr 1242 den Verkauf des Dorfes \u201eSlatdorp\u201c am \u201eSlatsee\u201c an das Zisterzienserkloster Lehnin. Der Name \u201eSlat\u201c ist slawischen Ursprungs und deutet wahrscheinlich auf eine durch Pf\u00e4hle befestigte Ufersiedlung hin. An diese erste bekannte Ansiedlung am Schlachtensee erinnert\u00a0 noch heute der \u201eSlatdorpweg\u201c, ein von der Lindenthaler Allee bis zur Salzachstra\u00dfe, entlang der S-Bahn verlaufender Fu\u00dfweg. Ebenfalls im Jahr 1242 taucht erstmals der Name des Adligen \u201eHeinrich von Stegelitze\u201c auf. Ob es sich dabei auch um den Namensgeber von Steglitz handelt, ist nicht eindeutig gekl\u00e4rt. M\u00f6glicherweise ist der Name slawischen Ursprungs und bezeichnet eine Ansiedlung am Bergabhang. Die Lage des Dorfes am Fu\u00df des Fichtenberges deutet in diese Richtung. Nicht urkundlich erw\u00e4hnt ist ein weiteres Dorf, das in den sechziger und siebziger Jahren am Machnower Krummen Fenn ausgegraben und teilweise rekonstruiert werden konnte.\u00a0 Im Museumsdorf D\u00fcppel k\u00f6nnen Interessierte heute bei zahlreichen Vorf\u00fchrungen den Alltag in einem mittelalterlichen Bauerndorf hautnah erleben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/6\/6a\/Museumdorf_D%C3%BCppel2.JPG\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"239\" \/> Die an ein Hufeisen erinnernde Form des Dorfs wird gemeinhin den Slawen zugeschrieben. Neuere Erkenntnisse der Arch\u00e4ologie zeigen jedoch, dass sich die Form der D\u00f6rfer meist mehr an den landschaftlichen Gegebenheiten als an einer \u201enationalen\u201c Zuordnung orientierte. Gegen eine rein slawische Ansiedlung spricht auch die w\u00e4hrend der Ausgrabungen zutage gekommene Keramik, denn der Anteil an slawischer Tonware betrug hier nur etwa drei Prozent. Einige der Gef\u00e4\u00dfe weisen stattdessen starke \u00c4hnlichkeiten mit niederl\u00e4ndischen Funden auf. Auf Siedler aus dem fl\u00e4misch-niederrheinischen Gebiet weist auch der Name des benachbarten, 1289 erstmals urkundlich erw\u00e4hnten Dorfes \u201eLichtervelde\u201c hin.<\/p>\n<div style=\"width: 202px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/4\/47\/Sachsenspiegel-Wenden.jpg\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"159\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Typisch slawische Trachten, Frau mit Schl\u00e4fenring (links)<\/p><\/div>\n<p>Dass es sich wahrscheinlich um eine Mischbev\u00f6lkerung handelte, belegen aber wiederum die Funde slawischer Schl\u00e4fenringe in D\u00fcppel. Der Kulturkontakt zwischen Deutschen und Slawen im Rahmen der deutschen Ostsiedlung des Mittelalters ist bislang ein wenig erforschtes Kapitel. Mittelalterliche Quellen wie Chroniken oder Heiligenviten geben gew\u00f6hnlich nur Auskunft \u00fcber Mord und Totschlag oder Erfolge bei der Missionierung der Heiden. Die sehr oft durchaus friedlichen Beziehungen zwischen deutschen und slawischen Siedlern im Grenzgebiet, vor allem auf der Ebene der einfachen Bev\u00f6lkerung, sind kaum dokumentiert. Auch die Arch\u00e4ologie vermag hier das Dunkel der Geschichte leider nur sp\u00e4rlich zu erhellen.<\/p>\n<p>Die Siedlungen am Schlachtensee und am Krummen Fenn wurden bereits nach wenigen Jahrzehnten wieder aufgegeben. Der Grund hierf\u00fcr d\u00fcrften die landwirtschaftlich wenig ergiebigen, sandigen B\u00f6den gewesen sein. Bessere Bedingungen fanden die Menschen nicht viel weiter, im von den Lehniner M\u00f6nchen neu gegr\u00fcndeten Zehlendorf, hier gab es fruchtbaren Lehmboden.<\/p>\n<p><em>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/em><\/p>\n<p>F\u00fchrer zu arch\u00e4ologischen Denkm\u00e4lern in Deutschland 23. Berlin und Umgebung. Theiss 1991<\/p>\n<p>Adriaan von M\u00fcller, Die Arch\u00e4ologie Berlins. L\u00fcbbe Verlag 1986<\/p>\n<p><em>Bildquelle:<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Main_Page\" target=\"_blank\">Wikimedia Commons<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ersten Belege menschlicher Anwesenheit im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf stammen bereits aus der Steinzeit, genauer\u00a0 gesagt der ausgehenden Altsteinzeit, also der Zeit vor etwa 8000 bis 10000 Jahren. 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