{"id":3204,"date":"2013-08-31T16:02:57","date_gmt":"2013-08-31T14:02:57","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/?p=3204"},"modified":"2013-08-31T16:08:02","modified_gmt":"2013-08-31T14:08:02","slug":"der-dicke-von-nebenan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/literatur\/der-dicke-von-nebenan\/","title":{"rendered":"Der Dicke von nebenan (1999)"},"content":{"rendered":"<p>Viele Jahre war eine gewisse Leibesf\u00fclle so etwas wie mein Markenzeichen. Der gem\u00fctliche Dicke aus Zehlendorf. Der von nebenan. Rund und gesund.<\/p>\n<p>Im gleichen Ma\u00df, wie sich das Haupthaar lichtete, wurde die F\u00fclle immer f\u00fclliger, die Fu\u00dfspitzen unsichtbar und <!--more-->beim schnellen Umdrehen brauchte der Bauch immer etwas l\u00e4nger als der Rest des K\u00f6rpers. Beim Aussteigen aus dem Bus krachten die Kniegelenke und als beim Wiegen ein zartes Rauchw\u00f6lkchen aus der elektronischen Waage durch das Badezimmerfenster wehte, da stand fest: Der Dicke war nicht mehr dick, er war fett geworden.<\/p>\n<p>Als erste Sofortma\u00dfnahme wurde eine sehr umfangreiche Kalorientabelle erworben. Ihr Studium lie\u00df mich erbleichen und auf die schlichte Erkenntnis kommen: Alles was schmeckt ist verboten, erlaubt ist der Rest.<\/p>\n<p>Nach einem opulenten Abendbrot und etwas Schokolade als Betthupferl beschloss ich, die Sache noch Mal zu \u00fcberschlafen.<\/p>\n<p>Um es kurz zu machen, die Aktion wurde erfolgreich. Bis jetzt sin rund zwanzig Kilo runter, weitere zehn sollten es vielleicht noch werden.<\/p>\n<p>Bei 108 Kilo, so um den letzten Geburtstag herum (Kein Eisbein, keine Torte (!), kein Eis), traf ich den Nachbarn bei Kaiser\u00b4s in der Clayallee: &#8220;Haben Sie abgenommen?&#8221; Ich murmelte kraftlos: &#8220;Nicht der Rede wert.&#8221;<\/p>\n<p>Ab 100 Kilo funktionierte die Waage wieder. Aber ich ertappte mich zunehmend dabei, wie ich mit rot unterlaufenden Augen um Krasselts Currywurststand schlich und h\u00f6rbar die Luft einsog. Die Familie meidet meine N\u00e4he, nachdem ich der Gro\u00dfen ihr Eis entriss und irre lachend das Weite suchte.<\/p>\n<p>So um die 90 Kilo war der Erfolg schon deutlich sichtbar. &#8220;K\u00f6nnen Sie sich noch an den Dicken erinnern, der hier fr\u00fcher immer die Reportagen f\u00fcr die Lokalzeitung gemacht hat?&#8221;, fragte ich die Leiterin einer Zehlendorfer Senioreneinrichtung kokett. Die Antwort: &#8220;Wieso? Ist er tot?&#8221;. Sie hatte mich nicht erkannt.<\/p>\n<p>Mein Freund Harry, auch er mit keiner Idealfigur gesegnet, l\u00e4sterte zun\u00e4chst, schaute dann immer neidischer, r\u00e4umte schlie\u00dflich seinen K\u00fchlschrank aus und hat inzwischen etliche Kilo abgespeckt.<\/p>\n<p>Als ich neulich bei ihm war roch es allerdings intensiv nach Gebratenem. Seine K\u00fcche durfte ich nicht betreten. Verr\u00e4ter!<\/p>\n<p>Daf\u00fcr versucht versucht meine geduldige Gef\u00e4hrtin (Figur eher griffig) Hilfe zu leisten. Ab und zu backt sie einen Kuchen f\u00fcr sich und die Kinder, verscheucht mich von den Teigsch\u00fcsseln und achtet peinlich darauf, ihre Pommes mit Mayonaise immer in meiner Abwesenheit zu vertilgen.<\/p>\n<p>Egal! Ich werde durchhalten und die letzten Pfunde auch noch los werden. Dann bin ich zwar auch nicht sch\u00f6ner, aber sch\u00f6n gesund. Und darauf rauchen wir erst Mal eine.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Jahre war eine gewisse Leibesf\u00fclle so etwas wie mein Markenzeichen. Der gem\u00fctliche Dicke aus Zehlendorf. Der von nebenan. Rund und gesund. 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