{"id":4315,"date":"2014-04-01T13:48:36","date_gmt":"2014-04-01T11:48:36","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/?p=4315"},"modified":"2017-10-06T15:19:01","modified_gmt":"2017-10-06T13:19:01","slug":"das-ethnologische-museum-in-dahlem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/aktuelles\/das-ethnologische-museum-in-dahlem\/","title":{"rendered":"Das Ethnologische Museum in Dahlem"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Teil der Sammlung des Ethnologischen Museums wird nach der Fertigstellung in das Berliner Schloss\/Humboldtforum in Mitte gegen\u00fcber dem Alten Museum einziehen. Im Alten Museum befand sich die Kunstkammer der preu\u00dfischen K\u00f6nige, aus der das Ethnologische Museum im 19. Jahrhundert hervorging. Mit dem Umzug der ausgew\u00e4hlten ethnographischen Gegenst\u00e4nde kehrt nun ein Teil der Sammlungen zu seinem Ursprungsort in die Mitte Berlins zur\u00fcck.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_7734-e1500492072143.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-6316\" src=\"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_7734-300x225.jpg\" alt=\"Staatliche Museen Dahlem\" width=\"600\" height=\"450\" \/><\/a><\/p>\n<p>Als das Alte Museum nach den Pl\u00e4nen Schinkels 1830 er\u00f6ffnet wurde, war bereits klar, dass <!--more-->es f\u00fcr alle Sammlungen zu klein sein w\u00fcrde. Daher wurde auf der Spreeinsel neben dem Alten Museum 1843 mit dem Neubau des Neuen Museums begonnen, das 1859 f\u00fcr das allgemeine Publikum ge\u00f6ffnet wurde. Dorthin waren bereits die \u00e4gyptischen und ethnographischen Sammlungen gebracht worden.<\/p>\n<p>Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vergr\u00f6\u00dferten sich die Sammlungen erheblich. Vor allem um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert unterst\u00fctzen zahlreiche M\u00e4zene, die sich im sogenannten \u201eEthnologischen Hilfskomitee\u201c zusammenfanden, Forschungsreisen und den Ankauf von Sammlungen f\u00fcr das ethnologische Museum. Deshalb zogen die Sammlungen 1886 vom Neuen Museum in einen Neubau des Berliner Ethnologischen Museums an die Stresemannstra\u00dfe neben dem heutigen Gropiusbau. Heute ist das Areal der Parkplatz des Martin-Gropius-Baus. Das ethnologische Museum war im Zweiten Weltkrieg durch eine Bombe stark besch\u00e4digt und Anfang der f\u00fcnfziger Jahre abgerissen worden.<\/p>\n<p>Schon bald nach dem Einzug war das Geb\u00e4ude des V\u00f6lkerkundemuseums zu klein. Die Enge wurde zu einem stehenden Berliner Witz. Zwei Leute konnten sich in den Fluren nicht aneinander vorbeidr\u00e4ngeln, so vollgestopft waren die Flure. Nachdem die Baupolizei mit Schlie\u00dfung drohte, wurden 1906 Objekte in einen Schuppen auf dem Dom\u00e4nengel\u00e4nde in Dahlem untergebracht, aber bereits 1908 gingen sie wegen der Feuchtigkeit wieder zur\u00fcck an die Stresemannstra\u00dfe. 1914 begann man dann mit den vom Architekten Bruno Paul entworfenen Museumsbau in Dahlem. Doch der Ersten Weltkrieg stoppte den Weiterbau 1916. 1921 entschloss sich die Weimarer Republik nur noch ein Dach auf das bis auf zwei Stockwerke hoch gebaute Museum zu setzten und dieses Geb\u00e4ude als Depot und Arbeitsst\u00e4tte der Wissenschaftler zu nutzen. Dies blieb so bis zum 2. Weltkrieg. Bereits 1934 kam die Anweisung, die in den Museen vorhandenen Gegenst\u00e4nden in verschiedenen Kategorien einzuteilen. In<\/p>\n<p>1. unersetzliche St\u00fccke<\/p>\n<p>2. wertvolle St\u00fccke<\/p>\n<p>3. alle \u00fcbrige<\/p>\n<p>Bei Gefahr konnte die Kategorie 3 zur\u00fcckgelassen werden. Ab 1938 sah man im Museum den Ernstfall und packte Museumsst\u00fccke in Kisten und K\u00e4sten. Schon bald waren die Keller voll und Ausweichquartiere mussten genutzt werden. Die Schausammlung im Ethnologischen Museum an der Stresemannstra\u00dfe blieb bis 1941 bestehen. Erst 1944 wurde ernsthaft mit dem Abtransport der ethnologischen Gegenst\u00e4nden begonnen, zuerst in die Flakt\u00fcrme in Friedrichshain und Zoo und in die Reichsm\u00fcnze und manche der Kisten kamen in Bergwerke in Bleicherode, Grasleben und Sch\u00f6nebeck unter oder nach Schr\u00e4bsdorf. Doch blieben viele Gegenst\u00e4nde aus der Schausammlung verblieben in Dahlem, wo sie 1945 die Russen fanden und nach dem damaligen Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, abtransportierten.<\/p>\n<p>Kurz vor Kriegsende traf eine Bombe das ethnologische Museum in der Stresemannstra\u00dfe. Bald nach dem Krieg konnte die Arbeit nur im Kellergeschoss wieder aufgenommen werden, dann aber bedingt durch einen Wassereinbruch verlie\u00df das Ethnologische Museum endg\u00fcltig das Geb\u00e4ude und zog nach Dahlem um. Auch das Depot in Dahlem war besch\u00e4digt. Gegen einen Vorschuss zur Reparatur des Daches und der Verglasung der Fenster bat die sich in Gr\u00fcndung befindliche Freie Universit\u00e4t wegen der gro\u00dfen Raumnot R\u00e4ume im Museum in Dahlem nutzen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Aber schon bald musste die Freie Universit\u00e4t andere R\u00e4ume finden, denn bedingt durch die Teilung Berlins erhoben die Kunstmuseen Anspruch auf das Dahlemer Haus und zogen ein. Die Kunst war nach dem Gutachten Wilhelm von Humboldts Anfang des 19. Jahrhunderts bevorzugt zu behandeln und die Museumspolitik solle entsprechend ausgerichtet werden. Dies gilt bis heute, wie die Ausstellungspolitik der Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz zeigt.<\/p>\n<p>1956 kamen die ethnologische Sammlungen aus den Bergwerken via Wiesbaden und Celle, wohin die westlichen Alliierten die Sammlungen gebracht hatten, wieder nach Berlin zur\u00fcck und das Ethnologische Museum platzte wieder aus allen N\u00e4hten. Diesmal in Dahlem. Erst nachdem f\u00fcr die Gem\u00e4ldegalerie das Kulturforum am Kemperplatz als Standort ausersehen wurde, begannen auch die Planungen eines Neubaus f\u00fcr die ethnologischen Sammlungen in Dahlem. 1970 wurden dann die ersten ethnologischen Ausstellungen er\u00f6ffneten. Die Gem\u00e4ldegalerie verblieb in Dahlem bis sie endlich Ende der neunziger Jahre in das f\u00fcr sie neu erbaute Museum am Kulturforum umziehen konnte. Heute wird wieder ein Umzug der Gem\u00e4ldegalerie diskutiert, diesmal zur Museumsinsel.<\/p>\n<p>Zu den bereits nach Berlin zur\u00fcckgekehrten Gegenst\u00e4nden des ethnologischen Museums kamen Anfang der 1990iger Jahre, die verloren geglaubten Objekte aus Leipzig nach Dahlem zur\u00fcck. W\u00e4hrend des Kalten Krieges gab es immer wieder Ger\u00fcchte, dass Gegenst\u00e4nde aus dem Berliner V\u00f6lkerkundemuseum gesichtet worden seien, in Berlin galten sie als verschollen. Ende der siebziger Jahre waren sie von Leningrad nach Leipzig gebracht worden. Dort lagerten die Gegenst\u00e4nde in den Kisten und K\u00e4sten im Dachgeschoss des ethnologischen Museums, so wie sie zur\u00fcckgekommen waren. Nur hin und wieder hatten die Leipziger Museumskuratoren Zeit, sich um die Objekte zu k\u00fcmmern. Bei der Sichtung nach ihrer R\u00fcckkehr nach Dahlem hatten manche der Masken ihre Haare verloren, andere ihre Federn. Aber im Gro\u00dfen und Ganzen waren die Sch\u00e4den nicht zu schwerwiegend. In Leningrad hatte sich eine russische Ethnologin liebevoll um die Sammlungen gek\u00fcmmert und so manches reparieren lassen. Zum Beispiel ein Tontopf der Inupiat aus dem Kotzebue Sound in Alaskas, dessen einzelne Bruchst\u00fccke mit einer russischen Zeitung innen zusammenklebten worden waren.<\/p>\n<p>Aufgrund der weiterhin in Dahlem befindlichen Gem\u00e4ldegalerie gab es einfach nicht gen\u00fcgend Platz im ethnologischen Museum, deshalb konnten immer noch nicht die Gegenst\u00e4nde aus Nordamerika ausgestellt werden. Erst nach dem Auszug der Gem\u00e4ldegalerie wurde die Ausstellung der nordamerikanischen Indianer und Inuit\/Eskimos aufgebaut und die Besucher bekamen einen kleinen Einblick in die hervorragende Berliner Sammlung, einschlie\u00dflich der Gem\u00e4lde indianischer K\u00fcnstler, die unter dem ehemaligen Kurator Peter Bolz angekauft worden waren. Berliner Kunsthistoriker und Galeristen sahen zum ersten Mal die hohe Qualit\u00e4t der indianischen Arbeiten in einer Sonderausstellung. Die Berliner Kunstmuseen hatten bis dahin die au\u00dfereurop\u00e4ische Kunst ignoriert.<\/p>\n<p>Im Magazin des Ethnologischen Museums stapeln sich auch heute, nach dem Auszug der Gem\u00e4ldegalerie, weiterhin die Objekte \u00fcbereinander, Dinge, die die Besucher nie zu Gesicht bekommen werden. Ein Schaumagazin, wie es f\u00fcr das Bremer \u00dcberseemuseum existiert, w\u00e4re eine Antwort. Dort kann man sich die Gegenst\u00e4nde ansehen, allerdings ohne wissenschaftliche Aufarbeitung. Aber die Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz, die Eigent\u00fcmerin des Ethnologischen Museums, will die im Magazin lagernden Objekte in ihr neu erbautes Depot in den Osten der Stadt bringen. Bereits w\u00e4hrend der Planungsphase des Depots in den neunziger Jahren warnten Wissenschaftler vor eine Zusammenlegung der Depots aller staatlichen Museen. In London war ein Depot in Flammen aufgegangen und wertvolle, unwiederbringliche Gegenst\u00e4nde verbrannten. In Zeiten des Internets und der Digitalisierung brauchen die Wissenschaftler heute keine r\u00e4umliche N\u00e4he mehr, um sich schnell austauschen zu k\u00f6nnen. Nun aber plant die Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz das Museum in Dahlem zu verkaufen. Was dort angesiedelt wird, wird derzeit diskutiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Teil der Sammlung des Ethnologischen Museums wird nach der Fertigstellung in das Berliner Schloss\/Humboldtforum in Mitte gegen\u00fcber dem Alten Museum einziehen. Im Alten Museum befand sich die Kunstkammer der preu\u00dfischen K\u00f6nige, aus der das Ethnologische Museum im 19. 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