{"id":6615,"date":"2018-06-07T20:54:00","date_gmt":"2018-06-07T18:54:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/?p=6615"},"modified":"2018-06-07T20:54:48","modified_gmt":"2018-06-07T18:54:48","slug":"idylle-und-lager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/aktuelles\/idylle-und-lager\/","title":{"rendered":"Idylle und Lager"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Russenlager und Holiday Camp<\/strong><\/h2>\n<h3><strong>Lager am Rande der Landhauskolonie Schlachtensee<\/strong><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/schlachtenseesite.files.wordpress.com\/2017\/05\/1943schlachtenseegraumit2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/schlachtenseesite.files.wordpress.com\/2017\/05\/1943schlachtenseegraumit2.jpg\" alt=\"\" width=\"399\" height=\"325\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Auch in Schlachtensee gab es nach 1933 <\/strong><strong>Lager und andere gro\u00dfe Einrichtungen des NS-Staats. Bekannt sind mir bisher sieben:<\/strong><\/p>\n<p>1) Kriegsgefangen- oder Zwangsarbeiterlager (\u201eRussenlager\u201c) in der Anackerstra\u00dfe<br \/>\n(heute Urselweg)<br \/>\n2) Lager bei der \u201eReichsreiterf\u00fchrerschule\u201c (Rittergut D\u00fcppel) am K\u00f6nigsweg<br \/>\n3) Barackenlager des Oberkommandos des Heeres (OKH) als Ausweichquartier an der Benschallee<br \/>\n4) Kriegsgefangenlager Wiesengrund (\u201eHoliday Camp\u201c) westlich davon an der Potsdamer Chaussee<br \/>\n5) Zwangsarbeiterlager der Organisation Todt im s\u00fcdlichen Teil der Wasgenstra\u00dfe\/ Potsdamer Chaussee<br \/>\n6) Zwangsarbeiterlager der Generalbauinspektion Berlin (GBI) n\u00f6rdlich davon Wasgen- \/Tewsstr.<br \/>\n7) Zwangsarbeiterlager der Firma Joachim Fischer in der St\u00f6ckerzeile (heute Breisgauer Stra\u00dfe) am S-Bahnhof Schlachtensee.<!--more--><\/p>\n<p>Die Geschichte dieser Lager bzw. das Schicksal der Menschen, die dort festgehalten wurden, zu erkunden, war mein Recherchevorhaben in diesem Jahr.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit habe ich sowohl einen <a href=\"http:\/\/www.jordandirk.de\/Jahrbuch2018LagerinSchlachtensee.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> im Jahresband 2018 des Zehlendorfer Heimatvereins ver\u00f6ffentlich als auch eine Brosch\u00fcre erstellt, die f\u00fcr 2 Euro im \u00f6rtlichen Buchhandel oder bei mir erh\u00e4ltlich ist:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/schlachtenseesite.files.wordpress.com\/2017\/05\/deckel.jpg?w=739\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/schlachtenseesite.files.wordpress.com\/2017\/05\/deckel.jpg?w=739\" alt=\"\" width=\"590\" height=\"836\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der erste Teil der Brosch\u00fcre ist auf der Seite: <a href=\"https:\/\/schlachtenseesite.wordpress.com\/entstehung-von-schlachtensee-w-ellerbrock\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Entstehung von Schlachtensee <\/a>nachzulesen. Den Text des zweiten Teils finden Sie <a href=\"http:\/\/www.jordandirk.de\/Manuskript5_16pt.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier.<\/a><\/p>\n<p>Darin hei\u00dft es u.a.: \u201eWenn Leserinnen und Leser dieses Artikels dabei mithelfen, k\u00f6nnte auch die menschliche Seite dieses Kapitels Schlachtenseer Zeitgeschichte beschrieben werden.\u201c Daraufhin habe ich einen Bericht eines alten Schlachtenseers, Herrn Dietmar Simon, erhalten, der mit seiner Familie erst in der Spanischen Allee und dann in der Dubrowstra\u00dfe (damals Schemannzeile) gewohnt und Kriegsgefangene in Schlachtenseer Stra\u00dfen gesehen hat. Er berichtet:<\/p>\n<h3>\u201eKinder-Schutzbunker Dubrowstr. 51 \u2013 49<\/h3>\n<p>Unter den H\u00e4usern Dubrowstr. 51 \u2013 49 befinden sich besonders befestigte Kellerr\u00e4ume, die in der Kriegszeit unter F\u00fchrung der NSV als \u201eKinderschutzbunker\u201c genutzt wurden. In der Zeit von Mai 1944 \u2013 bis Mai 1945 bin ich jeden Abend dorthin zum \u00dcbernachten gegangen. Es konnten dort sch\u00e4tzungsweise ca. 50-70 Kinder aus der Umgebung in doppelst\u00f6ckigen Gitterbetten \u00fcbernachten. Morgens verlie\u00dfen wir gegen 8 Uhr nach dem Fr\u00fchst\u00fcck den Bunker. Bei Fliegerangriffen wurde der Bunker auch von erwachsenen Anwohnern genutzt, auch bei Tagesangriffen, so da\u00df er praktisch ganzt\u00e4gig zur Verf\u00fcgung stand. Als die Russen kamen, versteckten sich in dem dunklen Bunker, elektrisches Licht gab es nicht mehr, zwischen den Gitterbetten auch Frauen, die ihre Gesichter mit Kohle geschw\u00e4rzt hatten, um weniger gesehen zu werden und alt und h\u00e4sslich zu erscheinen. Gleichwohl wurden 2 Frauen, die weiter vorne hinter Kindern hockten, von Russen mitgenommen<\/p>\n<h3>Bau eines Tiefbunkers 1944\/45<\/h3>\n<p>Gegen\u00fcber dem Haus Dubrowstr. 51 befand sich bis 1944 ein Waldst\u00fcck, das sich in der Kaiserstuhlstr ca. 100 m bis zu den dort stehenden Reihenh\u00e4usern, von der Ecke Spanische Allee bis zur Schopenhauerstr und in dieser ca. 100 m erstreckte. Das W\u00e4ldchen wurde etwa Mitte 1944 weitgehend abgeholzt, es wurde mit Hilfe von russischen Kriegsgefangenen ein Tiefbunker aus Beton gebaut. Die Gefangenen wurden morgens in Kolonne die Dubrowstra\u00dfe aus der Richtung Zehlendorf-West herangef\u00fchrt, abends in Richtung Zehlendorf-West abgef\u00fchrt. Bewacht wurden sie von deutschen Soldaten. Zum Bau des Bunkers hatte man eine Lorenbahn mit Dampflokomotive von der Baustelle bis zum Bahnhof Schlachtensee die Kaiserstuhlstr., sp\u00e4ter auch in Richtung Zehlendorf-West die Dubrowstr.\u00a0 entlang eingerichtet. Der Bunker ist vor Kriegsende nicht fertig gestellt worden, wurde aber in den letzten Kriegsmonaten schon genutzt. Der Bau war \u00e4u\u00dferlich wohl weitgehend fertig, aber noch nicht zugesch\u00fcttet. Dies geschah erst in den 50er Jahren. Sp\u00e4ter wurde er wieder zur Sprengung freigelegt, als die dort so um 1970 (?) errichteten H\u00e4user entstehen sollten.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich als Kind war der Bau des Bunkers hochinteressant. Wir Kinder bauten uns in den aufgeschichteten gef\u00e4llten Baumst\u00e4mmen H\u00f6hlen, ca. 6 m hohe Sandberge waren bis zum Stra\u00dfenrand vor dem Haus Dubrowstr. 51 aufgeh\u00e4uft. Der Lokf\u00fchrer nahm mich bisweilen auf seiner Lok mit \u2013 wohl nicht ganz erlaubt, denn manchmal sollte ich mich hinter dem T\u00fcrvorhang verbergen, wenn ein Vorgesetzter kam. Russische Kriegsgefangene schnitzten aus Holz Spielzeug entsprechend russischer Volkskunst, das sie auch bemalten. Sie tauschten dies bei Kindern gegen Nahrungsmittel. (Einiges aus dieser Zeit besitze ich heute noch). Woher sie die Farben nahmen, wei\u00df ich nicht. Der Herstellung der Schnitzarbeiten wurde von deutschen Wachsoldaten geduldet, es kam aber auch vor, dass alles beschlagnahmt wurde.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/schlachtenseesite.wordpress.com\/idylle-und-lager\/\" target=\"_blank\">schlachtenseesite.wordpress.com\/idylle-und-lager\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russenlager und Holiday Camp Lager am Rande der Landhauskolonie Schlachtensee Auch in Schlachtensee gab es nach 1933 Lager und andere gro\u00dfe Einrichtungen des NS-Staats. 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