{"id":7160,"date":"2019-03-30T15:04:05","date_gmt":"2019-03-30T14:04:05","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/?p=7160"},"modified":"2019-04-04T19:36:22","modified_gmt":"2019-04-04T17:36:22","slug":"infostele-rassenhygienische-und-bevoelkerungsbiologische-forschungsstelle-eingeweiht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/aktuelles\/infostele-rassenhygienische-und-bevoelkerungsbiologische-forschungsstelle-eingeweiht\/","title":{"rendered":"Infostele &#8220;Rassenhygienische und bev\u00f6lkerungsbiologische Forschungsstelle&#8221; eingeweiht"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div id=\"attachment_7161\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_0303-e1554398879763.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7161\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-7161\" src=\"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_0303-300x225.jpg\" alt=\"Infostele &quot;Rassenhygienische Forschungsstelle&quot; Unter den Eichen\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7161\" class=\"wp-caption-text\">Infostele &#8220;Rassenhygienische Forschungsstelle&#8221; Unter den Eichen: Einweihung mit Abgeordnetenhauspr\u00e4sident Wieland, Petra Rosenberg, Bezirksstadtrat M\u00fcckisch<\/p><\/div>\n<p><em><strong>Am Standort Unter den Eichen\/Ecke B\u00f6tticherstra\u00dfe wurde am Freitag die\u00a0Infostele zur vormaligen &#8220;Rassenhygienische und bev\u00f6lkerungsbiologische Forschungsstelle&#8221; eingeweiht, die sich dort 1936-1944 befand.\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ihr Text lautet wie folgt:<\/p>\n<p><strong>&#8220;Die \u201eRassenhygienische und bev\u00f6lkerungsbiologische Forschungsstelle\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich an diesem Ort als Abteilung des Reichsgesundheitsamts die \u201eRassenhygienische und bev\u00f6lkerungsbiologische Forschungsstelle\u201c.<\/p>\n<p>Initiator und Leiter der Forschungsstelle war ab 1936 der Jugendpsychiater und \u00fcberzeugte Vertreter der NS-Rassenpolitik Robert Ritter (1901\u20131951). Zu sei-nen engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern z\u00e4hlte die Krankenschwester Eva Justin (1909\u20131966). Die Hauptaufgabe der Stelle bestand im Erfassen und Erforschen von Sinti und Roma sowie dem Sammeln personenbezogener Daten.<\/p>\n<p>1936 im Zwangslager Berlin-Marzahn internierte Sinti und Roma geh\u00f6rten zu den ersten \u201eUntersuchungsobjekten\u201c, die Ritter und sein Mitarbeiterstab genealogisch befragten und anthropologisch verma\u00dfen. Bei den oftmals erzwungenen Untersuchungen kam es zu Dem\u00fctigungen und Misshandlungen. \u201eEs kamen die Rassenforscher; die haben uns vermessen. Das Gesicht, die Augen, die Haarfarbe usw. Dann haben sie uns Blut abgenommen.\u201c (Der Zeitzeuge Peter B\u00f6hmer, Berlin 2009)<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDie Forschungsstelle wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert und kooperiertemit dem Kaiser-Wilhelm-Institut f\u00fcr Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Bei dessen vormaligem Leiter Eugen Fischer (1874\u20131967) promovierte Justin 1943 mit einer Arbeit \u00fcber Kinder der Sinti, die nach Abschluss der Untersuchungen nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Gem\u00e4\u00df der Rassenideologie galten Sinti und Roma wie Juden als \u201eartfremd\u201c und wurden mit gesetzlichen und polizeilichen Ma\u00dfnahmen systematisch entrechtet. 1938 beauftragte der Reichsf\u00fchrer SS Heinrich Himmler die Forschungsstelle, in Zusammenarbeit mit dem Reichssicherheitshauptamt die reichsweite Registrierung aller Sinti und Roma durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<div id=\"attachment_7162\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_0314-e1554399292789.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7162\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-7162\" src=\"http:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_0314-300x225.jpg\" alt=\"Das Geb\u00e4ude heute\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7162\" class=\"wp-caption-text\">Das Geb\u00e4ude heute<\/p><\/div>\n<p>Bis 1944 verfassten Ritter und sein Mitarbeiterstab etwa 24.000 \u201eGutachten\u201c, mit Empfehlungen zur Zwangssterilisation und Deportation. Nach dem \u201eAuschwitzerlass\u201c Himmlers vom 16. Dezember 1942 begannen die Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager. Insgesamt wurden rund 500.000 Sinti und Roma Opfer der nationalsozialistischen Rassenideologie.<\/p>\n<p>Ritter und Justin fanden nach 1945 im jugendpsychiatrischen Dienst der Stadt Frankfurt\/Main Anstellung. Ermittlungsverfahren gegen sie wurden \u201eaus Mangel an Beweisen\u201c eingestellt. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzten Unterlagen der Forschungsstelle weiter und trugen zur fortgesetzten Diskriminierung wie zur Ablehnung von Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcchen von Sinti und Roma bei.<\/p>\n<p>Die offizielle Anerkennung der Sinti und Roma als Opfer des Genozids erfolgte erst 1982 durch Bundeskanzler Helmut Schmidt. 1988 erinnerte erstmals eine Ausstellung vor Ort an die Rolle der Forschungsstelle und des Reichsgesundheitsamts im Nationalsozia- lismus. 1995 wurde in der Bibliothek des Geb\u00e4udes eine Gedenktafel angebracht, initiiert nach einem Zeitzeugengespr\u00e4ch Otto Rosenbergs mit Lichtenberger Sch\u00fclern \u00fcber sein Schicksal als Kind im Zwangslager Marzahn und Opfer dieser \u201eRassenforscher\u201c.&#8221;<\/p>\n<p>(Text: Judith Hahn)<\/p>\n<p>Weitere Informationen dazu finden sich bei Wikipedia:\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rassenhygienische_Forschungsstelle\" target=\"_blank\">wikipedia.org\/wiki\/Rassenhygienische_Forschungsstelle<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Standort Unter den Eichen\/Ecke B\u00f6tticherstra\u00dfe wurde am Freitag die\u00a0Infostele zur vormaligen &#8220;Rassenhygienische und bev\u00f6lkerungsbiologische Forschungsstelle&#8221; eingeweiht, die sich dort 1936-1944 befand.\u00a0 Ihr Text lautet wie folgt: &#8220;Die \u201eRassenhygienische und bev\u00f6lkerungsbiologische Forschungsstelle\u201c In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich an &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/aktuelles\/infostele-rassenhygienische-und-bevoelkerungsbiologische-forschungsstelle-eingeweiht\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[173,18,21,45,139,177,103,13],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7160"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7160"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7160\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7163,"href":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7160\/revisions\/7163"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7160"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7160"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturinsz.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7160"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}