Schillernde Geheimdienstfigur aus Schlachtensee – Wilhelm Canaris

Von Bundesarchiv, Bild 146-1979-013-43 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, bei commons.wikimedia.org

Agent, U-Boot-Kommandant, Chef des Nachrichtendienstes des NS-Regimes von 1937-44, nationalsozialistischer Täter, hingerichteter Widerständler zusammen mit Bonhoeffer, liebevoller Familienmensch, Kirchenmitglied der Gemeinde Schlachtensee – all dies vereinte der Schlachtenseer Wilhelm Canaris (1887-1945) in einer Person.

Für die Kirchengemeinde Schlachtensee hat sich Dirk Jordan mit Leben und Geschichte des Mannes befasst, der einerseits an führender Stelle im militärischen NS-Nachrichtendienst an allen kriegerischen Operationen des Regimes (z.B. Unternehmen Barbarossa) beteiligt war und zuerst in Steglitz in der Döllestraße wie dann auch später in Schlachtensee direkt neben SS-Obergruppenführer und  Reichshauptamtsleiter Reinhard Heydrich wohnte:

“In Zehlendorf waren sie häufiger Nachbarn als anderswo in Berlin: die Spitzen des NS-Staates, Offizielle von SS, SD und Gestapo. Und die durch sie Verfolgten.

Canaris 1943 in seinem Garten in Schlachtensee. Foto: Familie Hoseit/Dirk Jordan

Zehlendorf, Dahlem, Schlachtensee waren Orte des Widerstands und der stillen Helfer und vor allem Helferinnen, aber sie waren eben auch Orte der linientreuen Nationalsozialisten oder der nationalsozialistischen Mitläufer. Und dann gab es auch noch diejenigen, die einerseits verantwortlich im Machtapparat des NS-Staates wirkten, gleichzeitig aber auch Retter in der Not waren – wie Admiral Wilhelm Canaris, Chef des deutschen Nachrichtendienstes.

Mit dem Pfarrer der Pauluskirche half er, Juden zu retten

In dieser Rolle war er eine wichtige Stütze eines mörderischen Systems. Er hat gewusst, dass die Nationalsozialisten Verbrecher waren. Dennoch hat er ihnen in führender Funktion gedient. Müssen wir ihn dafür schuldig sprechen? Das ist nicht die Intention dieses Textes, der versucht, den Menschen Wilhelm Canaris in seiner Widersprüchlichkeit, mit seinen dunklen und helleren Seiten, darzustellen.

Von 1937 bis 1944 lebte Canaris mit seiner Familie in Schlachtensee. Er war als gläubiger Christ Gemeindemitglied und in der Nachbarschaft gut bekannt. Wenn er mit seinem schweren schwarzen Mercedes von zu Hause in Zehlendorf zum Dienst abgeholt wurde, fuhr er durch die Betazeile (heute Waldsängerpfad) und grüßte vor allem die Mitglieder der Familie Wisten freundlich. Canaris wusste, dass Fritz Wisten, der Leiter des Theaters des jüdischen Kulturbundes, von der Gestapo nur deswegen geschont wurde, weil er in einer „privilegierten Mischehe“ lebte. Trotzdem sah sich die Familie dem nationalsozialistischen Terror ausgesetzt, so dass Canaris helfend eingreifen musste.”

Mehr dazu bei Dirk Jordan:
schlachtenseesite.wordpress.com/canaris/

Umfangreicher Artikel dazu in der Wikipedia:
de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Canaris

Süddeutsche Zeitung (10.4.2015):
“Hitlers Abwehrchef mit eigener Mission”
www.sueddeutsche.de/politik/widerstand-gegen-hitler-hitlers-abwehrchef-mit-eigener-mission-1.2429082



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Über Carsten Berger

Mitarbeiter der BVV Steglitz-Zehlendorf für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied Kulturausschuss Steglitz-Zehlendorf, Herausgeber KulturInSZ.de Kontakt: info[at]KulturInSZ.de, Twitter: @KulturInSZ
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